Zu zweit
Paarzeit ohne Bildschirm: wie man den Abend zurückgewinnt
Bildschirme sind bequem, besonders nach der Arbeit. Genau deshalb fressen sie die Stunden, in denen Paare sich eigentlich begegnen könnten. Ein Verbot hilft selten. Besser ist ein sichtbarer Ersatz und eine kurze, klare Abmachung.
Eine Schachtel statt einer Predigt
Wir legen die Telefone in eine Schachtel in einem anderen Zimmer, für eine festgelegte Zeit. Vierzig Minuten reichen als Einstieg. Wer Angst hat, etwas zu verpassen, stellt den Lautlos-Modus so ein, dass nur Anrufe von der Familie durchkommen.
Der Ersatz muss bereitliegen: ein Kartenspiel, ein Buch zum Vorlesen, ein Puzzle, ein Spaziergangmantel an der Türe. Ohne Alternative gewinnt das Gerät.
Gespräche brauchen einen Anfang
Viele schweigen nicht aus Desinteresse, sondern weil der Tag leergefegt scheint. Hilfreich sind konkrete Anstösse: ein Foto vom Nachmittag, eine Frage nach einem Kollegen, eine Erinnerung an eine gemeinsame Reise. Auch Schweigen darf vorkommen. Gemeinsam auf dem Sofa sitzen, ohne Scrollen, ist bereits etwas anderes als nebeneinander konsumieren.
Serien nicht verteufeln
Wir schauen weiterhin Filme. Aber wir entscheiden uns dafür, statt hineinzuschlittern. Ein Film, den beide wollen, mit einer Pause danach zum Reden, unterscheidet sich stark von drei Folgen, nach denen niemand mehr weiss, wie der andere gestimmt ist.
Klein anfangen
Ein bildschirmfreier Abend pro Woche verändert mehr als ein radikaler Vorsatz, der nach fünf Tagen bricht. Wer merkt, dass die Stimmung besser wird, verlängert von allein.
Wohlbefinden entsteht nicht nur im Yoga-Studio. Es entsteht auch, wenn zwei Menschen denselben Raum teilen und einander wieder zuhören.
Was an die Stelle des Scrollens tritt
Ich habe merken müssen, dass Langeweile der eigentliche Türsteher ist. Hinter ihr wartet oft ein Gespräch oder die Idee, doch noch spazieren zu gehen. Wer die erste unruhige Viertelstunde aushält, wird belohnt.
Gemeinsames Kochen, ein Hörspiel ohne zweite Ablenkung, Briefe schreiben, Fotos aus einer alten Schachtel sortieren: Das klingt altmodisch und funktioniert gerade deshalb. Die Hände sind beschäftigt, der Kopf wird frei.
Besuche von Freunden ändern die Dynamik nochmals. Wenn Gäste da sind, wandern die Telefone sowieso häufiger in die Tasche. Man kann diese Höflichkeit auch zu zweit üben, ohne Gäste als Vorwand zu brauchen. Der Abend wird dann wieder zu einem Ort, nicht nur zu einer Lücke zwischen zwei Videos.